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(mh, 4.1.2021) Welche Erfahrungen und Erkenntnisse sich aus einem Selbstcheck zur Blutgruppen-Diät ergeben haben: Macht die Blutgruppen-Diät tatsächlich schlank und resistent? Wie klappt das mit der Ernährungsumstellung? Kann man die Effekte überhaupt erkennen und zuordnen?

Warum sollte man beim Essen überhaupt seine Blutgruppe berücksichtigen?

Die Blutgruppendiät wurde durch das Buch „eat right 4 your type” von Peter J. D´Adamo in den späten 1990er Jahren populär. D´Adamo entdeckte in seiner Naturheilkundepraxis über die Jahrzehnte davor den Zusammenhang von Ernährung und Krankheiten seiner Patientien unter Berücksichtigung der Blutgruppe. Seine Theorie basiert auf der Tatsache, dass sich die Blutgruppen im Laufe der Evolution zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen Regionen, letztendlich also in unterschiedlichem Ernährungsumfeld, entwickelt haben. Das führte zu der Annahme, dass Lebensmittel unterschiedlich gut vertragen werden. Die Menschen mit Blutgruppe A besitzen beispielsweise Antigene vom Typ A und produzieren Antikörper gegen Typ B. Die Theorie: Die Antigene von Blutgruppen sind unverträglich mit verschiedenen Lektinen. Diese führen zu Verklumpungen und sind verantwortlich für Krankheiten. Das Befolgen der Diät soll einen zum Idealgewicht führen und das Immunsystem auf sein natürliches Level heben.
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Es fehlt die zweifelsfreie wissenschaftliche Fundierung der Blutgruppendiät

Da die Theorie sehr einleuchtend ist, aber nach D’Adamo nicht durch weitere Studien verifiziert werden konnte, scheiden sich die Geister. Die einen schwören drauf, die anderen halten es für Humbug. Dann gibt es noch ein paar große Segmente dazwischen: Das wohl größte davon bilden diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben, sich also noch keine Meinung gebildet haben. Dann gibt es viele Menschen, denen das Thema einfach mal total egal ist. Zu guter Letzt sind da noch einige neugierige, open-minded people, die erst einmal alles interessant finden und die Argumente und Entwicklungen verfolgen, ohne eine bestimmte Position einnehmen zu müssen. Zur letzten Gruppe würde ich mich zählen – in aller Bescheidenheit.

Warum ich es probieren wollte

Als ich vor rund 4 Jahren zum ersten Mal von der Blutgruppen-Diät gehört und noch nicht weiter dazu recherchiert hatte, ließ das Thema bei mir zuerst einmal ein Gefühl von Esoterik aufkommen und wurde als nicht wissenschaftlich genug beiseite geschoben. Außerdem hat das Wort Diät mich etwas abgeschreckt, denn es suggeriert doch auch immer so etwas wie „Modeerscheinung”. Als ich dann kurze Zeit später wieder auf die Bluttgruppentheorie stieß, hat die Neugierde gesiegt und ich habe mich eingelesen. Zugegebenermaßen hat mich der Zusammenhang zwischen der Evolution des Menschen mit seinen unterschiedlichen Ernährungsstufen und der Entstehung der Blutgruppen sofort überzeugt. Glücklicherweise weiß ich meine Blutgruppe, weil ich ab und zu Blut spende. Ich habe Blutgruppe A und habe beim Überfliegen der empfohlenen Lebensmittel direkt gemerkt, dass dort viele Lebensmittel vorkommen, die ich tatsächlich bevorzugt esse. Umgekehrt habe ich beim Durchgehen der problematischen Lebensmittel erkannt, dass ich bisher vieles davon wirklich weggelassen habe. Das hat mich neugierig gemacht auf mehr.

Blutgruppe A hat es besonders schwer

Wer wie ich die Blutgruppe A hat, hat leider die für heutige Ernährungsverhältnisse problematischste Blutgruppe. Sie ist in Europa in einer Zeit entstanden, als die Menschen sesshaft wurden. Dort stand Gemüse hoch im Kurs (aber noch kein Weizen!), Viehzucht gab es erst im Kleinen (Hühner, Ziegen) und jagen konnte man zwangsläufig nur eingeschränkt, stattdessen hat man am Fluss oder See ab und zu mal einen Fisch gefangen. Also sind tierische Lebensmittel prinzipiell ziemlich tabu. Zumindest Hühnchen und Eier sind als neutral anzusehen und heimischer Fisch ist okay. Und tatsächlich: Ich habe schon immer gerne einen Bogen ums Fleisch gemacht und mag ab und zu einen Fisch. Für besondere Anlässe habe ich Fleisch zwar genossen, aber sobald es öfter auf dem Speiseplan stand, wurde es mir zu viel. In jungen Jahren habe ich mich überwiegend vegetarisch ernährt, in Gesellschaft von anderen aber nicht darauf bestanden. Ausnahmen waren für mich kein Problem. Ich war da immer entspannt. Als wir dann eine Familie wurden, war mir eine ausgewogene Ernährung der Kinder sehr wichtig, hier wollte ich keine Risiko eingehen. Fleisch stand dann wieder öfter auf dem Speiseplan. Inzwischen kann ich wieder frei über meine Ernährungsweise entscheiden und habe genug Muße, auf meinen Körper und Appetit zu hören. Mit der Zeit hat sich so herauskristiallisiert, dass ich überwiegend (nicht ausschließlich) vegan esse und meinen ab und zu nicht vermeidbaren Heißhunger auf Fleisch vermehrt mit Hühnchenfleisch stille. Eine Umstellung von Milch auf pflanzliche Eiweißlieferanten lief bei mir ebenfalls ohne mein aktives Zutun ab (allerdings klappt das nur, wenn nicht Stress und Essensgemeinschaften das ureigene Essverhalten überlagern). Zufällig entspricht das alles meiner Blutgruppe-A-Diät. Auch dass Weizen schon seit längerem nicht mehr Teil meines Speiseplans ist, ist vielleicht kein Zufall, denn auch das entspricht meiner Blutgruppendiät. Ich fühlte mich ohne Weissmehl einfach wohler und Brot, Kuchen, Kekse & Co haben mir sehr schnell nicht mehr gefehlt. Exotische Früchte und Obst an sich sind für mich auch nie wirklich wichtig gewesen. Ich bevorzuge schon lange Gemüse und hier das dunkelgrüne und bunte. Auch das passt perfekt. Interessanter Weise ist Rotwein auf der Positiv-Liste – noch so ein Punkt, der meiner Lebensweise entspricht.

Keine große Umstellung

Bevor ich zu meinen subjektiven Ergebnissen komme, möchte ich zuerst einmal ein paar Hintergründe zu meinem Ernährungsverständnis, aus dem auch die eatr-Philosophie hervorgegangen ist, erläutern. Infolge dieser Philosophie, des Aggregierens von Lebensmitteldaten und des Ermöglichens multipler Filterung nach verschiedensten Ernährungsaspekten ist übrigens das Sortiment des → eatr-Shops entstanden. Deshalb gehören unter anderem dessen Lebensmittel zu meinem Basisvorrat an Lebensmitteln. Sie sind aus biologischer Erzeugung, eher proteinreich, eher zucker- und salzarm, überwiegend vegan, lactose- und glutenfrei, lecker und spannend. Das alles war schon die perfekte Basis zu meiner Blutgruppe-A-Diät. Was an meiner bevorzugten Ernährungsweise nicht gut zur Blutgruppen-Diät und auch nicht zu meinem Bauch-Wohlgefühl passt, ist mein regelmäßiger Appetit auf Milchprodukte, Kartoffeln und Würziges. Neben tierischen und Weizenprodukten sind leider auch Kartoffeln, Gewürze und Scharfes tabu. Es bleibt leider nur wenig übrig, was bei mir normalerweise zu einer ausgeglichenen Eat-Life-Balance gehört. Glücklicherweise ist Zucker neutral 🙂

Grenzen und Ergebnisse des Selbstchecks

In den letzten 6 Monaten habe ich nun darauf geachtet, mich bewusst (aber zwanglos) an der Blutgruppen-Diät zu orientieren. Eine komplette Umstellung wäre ein zu drastische Einschränkung in meinem Leben gewesen, hätte zu viel Verzicht mit zu wenig Mehrwert bedeutet, aber ich schätze, 90% Umsetzungsquote sind – zumindest in der Zeit vor Weihnachten – eine realistische Zahl. Es heißt, dass man durch den Blutgruppen-Ernährungsplan Pfunde verliert (da ist bei mir noch Luft) und das Immunsystem stärkt (das leidet bei mir regelmäßig in den Wintermonaten). Da ich ja vorher schon sehr nah an der Blutgruppe-A-Ernährung dran war, habe ich auch nur mit einem geringen Effekt gerechnet. Diesen kann ich aber leider für beide Aspekte nicht bestätigen. Allerdings habe ich wie gesagt keine strikte „Diät” eingehalten, sondern nur meine Ernährung dahingehend immer weiter optimiert. Dachte ich zumindest. Und nun kommt mein persönliches Fazit, und damit das ABER: Ich kann nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, gesünder oder schlanker zu sein als früher, als ich noch nach Lust und Laune alles und durchaus hedonistisch gegessen habe. Was positiv ist: Haut, Nägel & Haare spiegeln bei mir schon in den letzten Jahren eine gute Nährstoffversorgung wider. Außerdem ist eine Art Migräne, die mich die letzten Jahre genervt hat, seit rund einem Jahr so gut wie verschwunden. Ich denke das Wichtigste und das Hauptargument für die Blutgruppendiät ist, dass ich meine Ernährung in den letzten Jahren schon ohne mein wissen in Richtung meiner Blutgruppe optimiert habe, mich also damit offensichtlich wohler fühle!

Nicht kontrollierbare Wechselwirkungen und Überlagerungen von ernährungsrelevanten Einflussfaktoren, persönliches Fazit

Da ja ganz offensichtlich Ernährung ein für mich interessantes Thema ist, habe ich inzwischen einen wohl ganz guten Überblick über die Vielfalt an ernährungsrelevanten Einflussfaktoren auf Gesundheit und Wohlbefinden. Auch die Grenzen der Einschätzbarkeit von positiven oder negativen Ernährungseffekten sind mir inzwischen mehr als bewusst. Der Lebensmitteldschungel lässt sich zwar mit einigem Aufwand prinzipiell noch überblicken, die Wechselwirkungen von Inhaltsstoffen, persönlichen und Umweltfaktoren sowie immer neue Erkenntnisse machen die Vielzahl an Fakten, Tipps und Hinweisen jedoch nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Externe Einflussgrößen sind beispielsweise die Fülle an Lebensmittelkombinationen, Zubereitungsvarianten, Herstellungsaspekten, landwirtschaflichen, Transport- oder Lagerungsaspekten führen neben vielen weiteren jedoch dazu, dass man „unsichtbare” Einflüsse nicht mit einbeziehen kann. Selbst wenn man auf eine schonende Zubereitung achtet und nur ausgewählte Lebensmittel verwendet, kann es beispielsweise sein, dass unter dem Strich bestimmte Nährstoffe fehlen, die vielleicht Basis für eine ausreichende Verwertung eines anderen wichtigen Nährstoffes darstellen. Und genau so wichtig sehe ich unseren Körper und das persönliche Lebensumfeld als Paket vieler Einflüsse: Jeder Mensch hat sein nicht nur sein individuelles Genom, sondern auch sein individuelles Mikrobiom. Letzteres ist die Zusammensetzung der Darmbakterien, die wiederum durch Erbfaktoren, aber vor allem auch die Ernährungsweise mitbestimmt wird. Auch die Lebensweise hat bekanntermaßen ihren Einfluss. Wer zum Beispiel viel Sport treibt, hat einen gegenüber dem Couch Potatoe optimierteren Stoffwechsel.

Und ganz besonders wichtig finde ich die vielen weiteren Lebensfaktoren, die das seelische Gleichgewicht beeinflussen. Die letzten Monate waren durch Veränderung und Verzicht gekennzeichnet. Corona hat viele von uns zum Verzicht auf Flexibilität, soziale Kontakte, Aktivitätsmöglichkeiten, Urlaub, finanzielle Polster und auf Abwechslung im Allgemeinen gezwungen. Außerdem ist in Deutschland gerade Winter. Wenig Licht, mehr Schlaf in längeren Nächten, feucht-kaltes Klima, weniger Lust auf Bewegung an der frischen Luft – all das hat so großen Einfluss auf unser Immunsystem, dass Ernährungsstudien groß angelegt sein müssen bzw. extrem viele Vergleichsgruppen benötigen. Keine Genussmittel mehr, immer viel Bewegung, keinen Druck am Arbeitsplatz oder privaten Stress – das wäre ein Schlaraffenland. Da käme der Körper dann auch wohl mit jeder Nahrung zurecht. Wenn man also den nachhaltigen Effekt einer Ernährungsumstellung bei sich messen möchte, ist das sehr ambitioniert. Herr D´Adamo hat das durch die Beobachtung vieler Menschen über Jahrzehnte sicherlich besser erkennen können – so direkt an der Quelle von Lebens-, Ernährungs- und Krankengeschichten (und nicht zu vergessen die Blutgruppenbestimmung).

Daraus ergibt sich für mich immer wieder: Nur wer sich möglichst vielfältig ernährt und sich fit hält, verteilt die Risiken so gut, dass keines die Überhand gewinnt. Außerdem macht Essen um so mehr Spaß, je abwechslungsreicher die Mahlzeiten und je größer das Erfolgserlebnis des Zubereitens. Und je mehr Spaß, desto besser auch für’s Immunsystem.

Seitdem ich wieder weniger streng in Bezug auf die Auswahl der Lebensmittel bin, fühle ich mich wieder besser. Vielleicht auch einfach deshalb, weil man derzeit einfach schon genug Verzicht üben muss. In den letzten Tagen, sprich über die Feiertage, habe ich mich quasi konträr zu meinem Blutgruppenplan ernährt. Einen negativen Einfluss von eigentlich „verbotenen”, aber gleich häufig und in hohen Mengen vertilgte Lebensmitteln wie Weihnachtsgans, Raclette (Käse, Kartoffeln und Gans müsste ich eigentlich meiden) uvm. konnte ich nicht feststellen.

Alles in Allem sehe ich durch diese Erfahrung wieder einmal das → eatr-Ernährungsprinzip bekräftigt, das auf Lebensfreude, Entspannung und Ausgewogenheit basiert, aber dafür plädiert, alle Aspekte im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und unserem Körper im Hinterkopf zu behalten. In jedem Fall werde ich aber weiter darauf achten, die für mich ungünstigen Lebensmittel zu meiden.

Wenn auch du dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest und deine Blutgruppe kennst, findest du auf unseren → Blutgruppendiät-Seiten die Übersicht über die jeweils erlaubten, neutralen und problematischen Lebensmittel.