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Dass das Mikrobiom entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit hat, hat sich inzwischen wohl überall herumgesprochen. Beispielsweise sitzen bis zu 80% unserer Immunzellen im Darm, wobei die im Darm ansässigen Bakterien die entscheidenden Informationen bereitstellen. Aber welche Rolle haben die Darmbakterien letztendlich auf unser Denken und unsere Stimmung und damit auf unsere kurzfristigen Entscheidungen aber auch langfristigen Einstellungen?

→ Der Darm als weitere neurologische Schaltzentrale
→ Die Relevanz der Darmbakterien für die körperliche Gesundheit
→ Die Relevanz der Darmbakterien für die geistige Gesundheit
→ Einflussfaktoren und Wechselwirkungen zwischen Stimmung und Ernährung
→ Die Darmsanierung als Rettungsanker für Betroffene
→ Das Leben als Ursache aller Krankheiten
→ Fazit – die altbekannten Ratschläge: Gesunde Ernährung, viel Bewegung, eine gesunde Lebenseinstellung
→ Exkurs: Verzerrte Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftspsychologische Effekte durch unausgewogene Ernährung?

Der Darm als weitere neurologische Schaltzentrale

Polypen, die im Meer leben, bestehen einfach aus einem Darmschlauch, der von Nervenzellen umgeben ist. Der Darm hat hier also die Rolle des Gehirns inne und zeigt zum einen die Rolle des Darms auf das Verhalten und zum anderen den Ursprung eines zentralen Nervengeflechts. Auch beim Menschen gibt es im Magen-Darm-Trakt Nervenzellen, und zwar ungefähr 100 Millionen, also genau so viele wie im Gehirn einer Katze. Laut Prof. Dr. Stallmach (Direktor der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie am Universitätsklinikum Jena) kann der Darm als Bauchgehirn bezeichnet werden, wo beispielsweise – wie im Gehirn – Neurotransmitter (z. B. das “Glückshormon” Serotonin) vorkommen.

Die Mikrobiota bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen eines Menschen, die Darmflora ist die Mikrobiota des Darms und besteht aus rund 30 bis 100 Billionen (!)[1] Mikroorganismen (Bakterien, Viren und Pilze). Der Betriff “Mikrobiom” bezeichnet die Gesamtheit der Erbinformationen dieser Mikroorganismen. Wir Menschen haben 1,5 Mal so viele Mikroorganismen wie eigene Zellen (was die Gene, also das Mikrobiom, betrifft, sind es sogar 10 Mal so viele). Es gibt also auch mehr Organismen im Darm, als es Zellen im Gehirn gibt.[2]

Die Relevanz der Darmbakterien für die körperliche Gesundheit

Allergien, Schmerzen, nicht diagnostizierbare Darmprobleme… die meisten Patienten können nur ihre Symptome behandeln lassen, die Ursachen der meisten Krankheiten sind derzeit noch nicht klar auszumachen. Inzwischen konnte man Entzündungen im Körper für im Grunde alle chronischen Krankheiten (Migräne, Depression, Reizdarm, Rheuma, Autoimmunerkrankungen etc.) verantwortlich machen. Entzündungen entstehen durch Reibung, Druck, Fremdkörper, zu hohe und zu niedrige Temperatur, Strahlung, Säuren, Basen, Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten), Prionen oder körpereigene Reize (z.B. bei einem Tumor). Wenn keine physischen oder körpereigenen Reize in Frage kommen, bedeutet das, dass die Ursache in einem geschwächten und/ oder einem z. B. durch Zucker oder Cortisol (dem Stresshormon) direkt geschädigten Immunsystem liegt [3], denn Viren und Bakterien bedrohen uns zu jeder Zeit.

Das Mikrobiom wiederum gilt als Ausgangspunkt für eine Schwächung des Immunsystem und damit für alle heutzutage vermehrt auftretenden entzündungsbedingten Krankheiten. Wenn wichtige Nährstoffe fehlen, ist das Mikrobiom beeinträchtigt, so dass das Immunsystem nicht vernünftig arbeiten kann. Und es benötigt viele Nährstoffe: essenzielle Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe wie Zink, Selen und Magnesium, Vitamin D, B und C – um nur die wichtigsten zu nennen.

Und noch einen Schritt weiter: Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist nicht nur das Ergebnis unserer Ernährung, sondern auch und unserer Lebensumstände und Resilienz. Stress beeinflusst die Darmfunktion gleich doppelt: auf direkte Weise über das Nerven-/Hormonsystem und indirekt durch eine unter Stress oft suboptimale Ernährungsweise.

Die Relevanz der Darmbakterien für die geistige Gesundheit

Über das Blut- und Lymphsystem ist der Darm mit allen Schleimhäuten des Körpers sowie auch anderen Organsystemen verbunden, also auch mit dem Gehirn. Aufgrund der besonderen Relevanz der geistigen Gesundheit hat sich der Begriff Darm-Hirn-Achse etabliert. Diese Darm-Hirn-Achse funktioniert in beide Richtungen, der Großteil (90%) der Informationen wird allerdings vom Darm in Richtung Gehirn geschickt.

Man konnte nachweisen, dass auch psychische Krankheiten auf Entzündungen beruhen – Entzündungen im Gehirn. Sind die Gehirnzellen nicht gut versorgt, werden sie anfällig auf Viren. Bereits erforscht ist die Relevanz bestimmter Nährstoffe für ein gesundes Gehirn. Da das Gehirn ganz besonders viel Energie benötigt, sind hier die Mitochondrien – die Energiekraftwerke der Zellen – besonders wichtig und aktiv. Kohlenhydrate, Giftstoffe und Medikamente können die Mitochondrien schädigen und u. a. zu Krankheiten wie Autismus, Depression, Schizophrenie, Parkinson, Fatigue Syndrom, Demenz und Multiple Sklerose führen. Die wichtigsten Nährstoffe für die Mitochondiren sind Carnitin, Vitamin C, Vitamin E, B-Vitamine, Creatine, Alpha-Liponsäure, Arginin und Selen.

Um diese benötigten Nährstoffe absorbieren zu können, brauchen wir eine entsprechend funktionierende Darmflora. Neben Giften aus dem Essen (z. B. Aspartam, bestimmte Lektine und Glutamat) wird also auch eine unausgewogene Darmflora Gehirnfunktionen negativ beeinflussen. Nervenzellen, hormonproduzierende Zellen, Immunzellen und die Darmflora steuern in Abhängigkeit voneinander und im Zusammenspiel unseren Körper. Unsere Gesundheit sowie unsere Leistungsfähigkeit und Stimmung – also unser ganzes Verhalten – hängen so entscheidend von der Darmflora ab. Die Rolle der Darmbakterien in Bezug auf die Hirnfunktion und auf die Alterung des Menschen wird derzeit endlich mit Priorität untersucht. Mit EU-Fördermitteln nahm 2022 das Netzwerk ITN SmartAge mit Partnern aus 10 EU-Ländern seine Forschungsarbeit zu dem Thema auf. [4]

Autismus, die Darm-Hirn-Achse und der LEAKY GUT

Bisher gilt Autismus – entsprechend einer (allerdings extrem ausgeprägten) Persönlichkeitsform – als genetisch und physiologisch fix und damit als unheilbar. Man hat entdeckt, dass Autisten auffällig häufig unter Darmproblemen leiden und dass der Grund eine gestörte Darmbarriere ist. Die Darmbarriere besteht aus drei Schutzschichten: der Darmflora, darunter die Darmschleimhaut und die unterste Ebene ist das Darm-assoziierte Immunsystem. Ist die Darmbarriere defekt, können unzureichend verdaute Stoffe, Toxine oder Bakterien in den Blutkreislauf bzw. insbesondere ins Gehirn gelangen und dort Schäden verursachen. Dieses Durchlässigkeitsproblem wird in der Wissenschaft “LEAKY-GUT-SYNDROM” (löchriger Darm) genannt. Ein durchlässiger Darm ist wahrscheinlich eine Ursache der Fehlbesiedlung des Darms (nicht umgekehrt). Die Durchlässigkeit des Darms kann z. B. durch Infektionen, toxischen Metalle, Medikamente (z. B. Antibiotika), scharf gewürzte Speisen, Alkoholkonsum und Stress begünstigt werden. Stress verändert unter anderem wahrscheinlich auf psychovegetativem Weg das Mikrobiom. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können gleichzeitig Ursache und Folge eines leaky gut sein.

Durch eine positive Beeinflussung der Darmflora, beispielsweise mit einer gluten- und caseinfreien Diät (GFCF-Diät), können die autistischen Symptome spürbar verringert werden. → Hier findest du Produktvorschläge, die im Falle einer GFCF-Diät in Frage kommen. Außerdem berichten wir in einem weiteren → Blogbeitrag über die positiven Erfahrungen zur GFCF-Diät aus erster Hand.

Anstelle der längerfristigen Umstellung der Darmflora über die Ernährung gibt es auch die Möglichkeit der Stuhltransplantation (die Behandlung erstreckt sich über rund 2 Monate), deren Wirkung allerdings auch bis zu 2 Jahre auf sich warten lassen kann. Die autismustypischen Symptome sollen dadurch um fast 50% zurückgehen.[5]

Einflussfaktoren und Wechselwirkungen zwischen Stimmung und Ernährung

Während die physiologischen Bedingungen fix sind, lässt sich unser Verhalten also sowohl über das Gehirn (bewusst und unbewusst durch unser Umfeld) und unbewusst durch unseren Speisezettel beeinflussen. Umgekehrt bestimmen unsere Stimmung und unser Umfeld wiederum, wie und was wir essen. Hier kann es im ungünstigen Fall zu einer negativen Verstärkung kommen (z. B. kann Stress Durchfall auslösen und Stress des Darms wiederum die Psyche destabilisieren). In jedem Fall machen Sorgen und Stress “Bauchschmerzen” und ein Darmgeschwür wird direkt mit Stress assoziiert. (Chronischer) Stress beeinträchtigt also definitiv unser Mikrobiom negativ, was wiederum den Ausgangspunkt für eine schlechtere Immunabwehr darstellt und so die Förderung entzündlicher Prozesse – auch im Gehirn – nach sich zieht.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt bei etwa 20 Prozent. Die Therapiewirksamkeit ist trotz Medikamenten meist gering. Bei Patienten mit besonders hartnäckiger Depression findet man die vom Mikrobiom gesteuerten Immun- und Entzündungsbotenstoffe auffällig verändert vor. In diesem Zusammenhang sollen neue Therapien entwickelt werden, die den Darm als vielleicht entscheidenden Einflussfaktor berücksichtigen.

Durch eine Fehlbesiedelung des Darms werden bestimmte Hormone unter Umständen garnicht erst gebildet, so dass der Hormonhaushalt durcheinander gerät und Stimmungsschwankungen und andere Beeinträchtigungen auftreten können.

Die Darmsanierung als Rettungsanker für Betroffene

Das Mikrobiom lässt sich nicht von heute auf Morgen verändern. Es bedarf entweder einer langfristigen Ernährungsumstellung, wobei sich definitiv positive Effekte ergeben, die sich nach und nach verzögert einstellen, oder einer Darmsanierung, die bei tiefgreifend ungünstig verändertem Mikrobiom ratsam ist.

Bei einer Ernährungsumstellung solltest du den Fokus auf Ballaststoffe legen, denn sie spielen eine besondere Rolle bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Mikrobioms: Die “guten” Darmbakterien sind auf die Ballaststoffe als Nahrung angewiesen. Gemüse kann also garnicht genug auf deinem Speiseplan stehen. Wir haben dir → Produktvorschläge für eine ballaststoffreiche Ernährung zusammengestellt.

Zur Optimierung der Darmflora gibt es darüber hinaus neuerdings zahlreiche probiotische Gesundheitsmittel auf dem Markt – in ihrer Zusammensetzung für die unterschiedlichsten Bedarfe optimiert.

Außerdem ist es wichtig, eine schadstoffarme Ernährung zu gewährleisten, indem du dich auf unverarbeitete Lebensmittel und Bio konzentrierst.

Das Leben als Ursache aller Krankheiten

Man schätzt, dass etwa 80% der Sprechstundenpatienten an vegetativen Störungen leiden.[6] Auch diese Krankheiten sind “lebensbedingt”, also – als Kombination aus körperlichen, seelischen und sozialen Umstände – durch die Zivilisation erzeugt. Beispiele für Störungen des vegetativen Nervensystems sind Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Wechseljahresbeschwerden, Atmungsprobleme, Kopfschmerzen, Verkrampfungen der Muskulatur, Herzbeschwerden, Krämpfe in den Blutgefäßen, Krämpfe im Magen, im Darm und in der Blase, Verstopfung, Leber-Galle-Beschwerden, starke Blähungen oder Verlust der sexuellen Lust. Diese Störungen verschwinden meist auch wieder ohne Behandlung, ansonsten helfen Psychotherapie und Bewegung, sprich Abbau von Stress und Sorgen.

Da diese Störungen noch einmal Sorgen und daher – neben anderen Stressoren – wiederum Beeinträchtigungen des Verdauungssystems mit sich bringen können, ist für ein gesundes Mikrobiom also eine insgesamt stressarme Lebensweise besonders wichtig. Aus diesem Grund wird auch neben der gesunden Ernährung immer auf ausreichend Bewegung und Psychotherapie hingewiesen, damit es einen Ausgleich bzw. Prävention für Stress geben kann.

Fazit – die altbekannten Ratschläge: Gesunde Ernährung, viel Bewegung, eine gesunde Lebenseinstellung

Man kann sagen, die Beweiskette für die schon immer geltenden intuitiv gemachten guten Ratschläge “gesund Essen, Sport, Gelassenheit” ist somit dank des Mikrobioms geschlossen. Denn aus den oben genannten Punkten ergibt sich die Erkenntnis, dass man einfach nicht mehr krank wird, solange das Immunsystem durch gesunde Ernährung gestärkt bleibt, Stress durch Bewegung abgebaut und Sorgen durch eine realistische und optimistische Grundhaltung kleingehalten werden.

Das passiert nicht von heute auf morgen, aber es passiert – und das mit nur wenigen Veränderungen:

  • Den Speiseplan so vielfältig wie möglich gestalten
  • Gemüse essen: viel und vielfältig
  • Schadstoffe meiden: Bio essen, so viel es geht
  • Verarbeitete Lebensmittel meiden
  • Regelmäßige Bewegungseinheiten – gerade an stressigen Tagen
  • Negative Glaubenssätze kritisch überprüfen und durch positive ersetzen
  • Wieder Genießen, Wertschätzen und Respekt lernen
Quellen
  • [1]https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/darm-hirn-achse-100.html
  • [2]https://www.uniklinikum-jena.de/oekosystem_darm.html
  • [3]77 Tipps für eine gesundes Gehirn, Dr. med. Ulrich Strunz
  • [4]https://www.uniklinikum-jena.de/etnsmartage/en/
  • [5]https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/gesundheit/allgemein-gesundheit/regulierung-der-darmflora-bessert-autismus-190404039
  • [6]Unsere Nahrung – unser Schicksal, Dr. med. Max Otto Bruker

Exkurs: Verzerrte Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftspsychologische Effekte durch unausgewogene Ernährung?

Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft in einer Art “inneren Unruhe” befindet, die sich immer mehr dem hysterischen Ausbruch nähert. In vielen Staaten ist die Bevölkerung nicht mehr nur latent, sondern offensichtlich unter vielen Gesichtspunkten gespalten. Vielen bereits misstrauischen Bürgern der wohlhabenden (Einwanderungs-)Staaten machen die derzeitigen Krisen einerseits und deren Bewältigungsversuche andererseits Angst:

  • Zunehmende Migrationsbewegungen aufgrund von Krieg, politischer Verfolgung, Mangel / gesundheitliche Gefahren durch die ökologische Auswirkungen der Klimaerwärmung auf der einen Seite
  • Massive Geldströme in Richtung Verteidigungsausgaben, Umweltschutz oder Rettungsschirmen (Wirtschaft, Corona uvm.), Inflation und sinkendes Wirtschaftswachstum
  • Häufung einschneidender Vorgaben durch den Staat in Folge gehäuft aufgetretener massiver Krisen innerhalb weniger Jahrzehnte (Tsunami, Finanzkrise, Corona, Gasknappheit / Aggressionen Russlands, Klimakrise) senken das Vertrauen in die Politik.

Diese Angst wird durch Besonderheiten unserer Zeit verstärkt:

  • Überinformation bzw. Desinformation: Dank der massiven Ausbreitung der sozialen bzw. “alternativen Medien” mit ihren Algorithmen, bekommen bereits verunsicherte Menschen durch populistische Inhalte nicht nur die lang ersehnte (vermeintliche) Aufmerksamkeit, sondern darüber hinaus auch noch den Eindruck, dass ihr gesamtes Kommunikationsumfeld einheitlicher Meinung sei.
  • Mangelnde Resilienz bzw. beschädigtes Urvertrauen durch verstärkten Druck im Arbeitsleben, schwierige Familienverhältnisse oder erschwerte Startbedingungen: Schicksalsschläge können extreme Verhaltensänderung auslösen und Ängste verstärken.

Hat auch die immer einseitiger werdende Ernährung einen Einfluss auf die Objektivität und das Aggressionsverhalten? Gerade die von Depressionen betroffenen Menschen neigen ja zum Schwarzsehen und zu paranoiden Vorstellungen wie Verschwörungstheorien – und den Einfluss des Mikrobioms auf die dauerhafte Stimmungslage haben wir ja bereits oben festgestellt. Lässt sich das Mikrobiom von aggressiv auftretenden (u. a. in Form von Populismus) von dem der friedliebenden, kooperativen und lösungsorientierten Menschen unterscheiden? Haben auch verarbeitete und schadstoffbelastete Nahrungsmittel indirekt Einfluss auf die Erstarkung egoistischer politischer Parteien?

Abgesehen davon, dass sich Populismus derzeit immer mehr ausbreitet, weil er sich in den letzten Jahren narzisstischen Menschen einfach als erfolgreiches Modell, verunsicherte Menschen zu manipulieren, bewiesen hat, ist die Frage, ob es auch einfach mehr narzisstische und depressive (und damit egoistische) Menschen gibt und warum?

Wenn dem so ist, ist dies das Ergebnis von mehreren voneinander abhängigen Faktoren. Umfeld, Grad der Nutzung sozialer Medien, Ernährung, Bildungsgrad, finanzieller Hintergrund, genetische Faktoren und Interessenhorizont bedingen oder verstärken sich teilweise oder bieten einfach Nährboden für dissoziale Entwicklungen.

Oder treten die egoistischen Anteile derzeit nur einfach stärker an die Oberfläche, weil dafür plötzlich Raum, Akzeptanz und konkrete Anknüpfungspunkte vorhanden sind? Mit Sicherheit: Narzissten neigen dazu, ihre Schwächen zu verstecken, indem sie diese auf andere projizieren und sich selbst als Retter aufspielen. Insbesondere die angeblich plötzlich so unfähige Regierung ist so eine Projektionsfläche. Eigene Schwächen, wie z. B. die Unfähigkeit, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und zu Fehlern zu stehen, können einfach unter dem Denkmantel der vermeintlichen Unfähigkeit der Regierung verschwinden. Schuld an der (vermeintlichen) Armut und Isolation der Bürger sind dann nämlich nicht sie selbst mit ihrer Unflexibilität (z. B. Jobs in anderen Städten anzunehmen, sich selbständig zu machen, ein bisschen Risiko in Kauf zu nehmen), sondern die da oben, die ja sooo schlechte Voraussetzungen schaffen und sooo anstrengende Auflagen schaffen. Ob damit vielen anderen Menschen vielleicht geholfen wird und es dem Staat mittel- bis langfristig den Wohlstand sichert, wird komplett ausgeblendet bzw. verleugnet.

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